#107 - Landtechnik ist kein Automotive: Warum Ihre Betriebsmittel anders ticken müssen
Shownotes
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In der heutigen Folge: Schweißvorrichtungen für Landtechnik und Defense: Robust schlägt kompliziert
Große Teile, viele Varianten, raue Bedingungen in der Schweißerei. Wer Betriebsmittel für Landmaschinen oder Defense so plant wie für den Automotive-Bereich, baut an der Praxis vorbei.
Bernd Pille zeigt, was eine gute Schweißvorrichtung in der Landtechnik und im Defense-Bereich wirklich können muss. Es geht um Rahmen, Achskomponenten und Ausleger mit hohem Eigengewicht, die per Kran oder Kette in die Vorrichtung kommen, um lange MAG-Schweißnähte und den Schweißverzug, der daraus entsteht, und um die Frage, wo eine Vorrichtung exakt führen und wo sie bewusst Luft lassen muss. Dazu kommen die vielen Varianten: Wechselteile, verstellbare Anschläge und modulare Aufnahmen, ohne die Vorrichtung für alles zu überfrachten. Und eine Umbautechnik, die ein Werker auch mit Schweißerhandschuhen bedienen kann.
Speziell für Fertigungsleiter, Produktionsverantwortliche und Entscheider in KMUs, die große Schweißbaugruppen in vielen Varianten wirtschaftlich fertigen wollen, ohne Abstriche bei Qualität und Prozesssicherheit.
⏱️ Kapitel: 00:00 Große Teile, hohe Varianten, robuste Lösungen 00:53 Warum die Landtechnik ihre ganz eigene Welt ist 01:52 Was eine gute Schweißvorrichtung hier können muss 03:23 Große, schwere Bauteile und das Handling mit Kran und Kette 04:46 Lange MAG-Schweißnähte und Schweißverzug 05:33 Toleranzen: wo exakt führen, wo bewusst Luft lassen 06:35 Viele Varianten: Wechselteile und modulare Aufnahmen 07:30 Vorsicht vor der Vorrichtung für alles 08:28 Robuste Umbautechnik, auch mit Schweißerhandschuhen 10:21 Fazit: Die Vorrichtung, die jeden Tag funktioniert 10:59 Automotive gegen Landmaschine und Defense 11:11 Abschluss und Kontakt
📋 Das nehmen Sie mit: ✅ Warum Landtechnik und Defense andere Betriebsmittel brauchen als der Automotive-Bereich ✅ Wie Sie Schweißvorrichtungen für schwere Bauteile massiv genug auslegen ✅ Wo die Vorrichtung exakt führen muss und wo Luft für Schweißverzug und Toleranzen bleibt ✅ Wie Wechselteile und modulare Aufnahmen Varianten abdecken, ohne den Werker zu überfordern ✅ Welche Umbautechnik in der rauen Schweißerei wirklich funktioniert
🔍 Warum das für Sie relevant ist: In der Landtechnik, im Nutzfahrzeugbau und im Defense-Bereich wird vieles noch von Hand geschweißt, an großen Bauteilen mit dicken Blechen und in vielen Ausstattungsvarianten. Eine Vorrichtung, die im Labor glänzt, scheitert dort an Hitze, Staub, Schweißspritzern und dem nächsten Variantenwechsel. Robuste, einfach umbaubare Betriebsmittel entscheiden, ob die Fertigung jeden Tag läuft.
❌ Was dabei schiefläuft: • Vorrichtungen werden zu filigran für Gewicht, Kran und Alltag ausgelegt • Die Vorrichtung spannt überall exakt und lässt dem Schweißverzug keinen Platz • Eine Vorrichtung soll alle Varianten können und wird dadurch zu kompliziert • Umbauen braucht Werkzeug, das mit Schweißerhandschuhen niemand bedienen kann
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00:00:00: Große Teile, hohe Varianten, robuste Lösungen, warum die
00:00:04: Landmaschinenbetriebsmittel ihre ganz eigene Welt sind.
00:00:08: Darüber müssen wir reden. Mein Name ist Bernd Pille und das ist der
00:00:12: Betriebsmittelpodcast Fix und Fertig.
00:00:30: Eine Sache noch vorweg. Und hier gibt es jede Woche neue Themen aus der Fertigung,
00:00:38: die du direkt in deiner Produktion anwenden kannst.
00:00:43: Wenn du das nicht verpassen willst, klick auf Abonnieren.
00:00:46: Das kostet dich nichts und es hilft dir sehr.
00:00:50: So, und jetzt rein ins Thema.
00:00:53: Als Einstieg ganz klar vorweg. Die Landtechnik wird von vielen belächelt.
00:00:59: Die Landtechnik ist mega spannend und hat seine ganz eigenen Herausforderungen.
00:01:05: Warum? Weil sie nicht vielleicht wie im Automotive-Bereich, wo der kleinste
00:01:10: Millimeter gesucht wird, wo bei einer Millionen Stückzahl alles hochautomatisiert
00:01:17: sein soll, eine hochstandardisierte Taktfertigung sein soll.
00:01:22: Nein, es ist eher der klassische Maschinenbau, das klassische, trotz einer
00:01:29: Serienfertigung haben wir eine hohe Wiederholbarkeit, die wir brauchen.
00:01:37: Wir haben ganz typisch richtig, richtig große Schweißbaugruppen, relativ kleine
00:01:44: Stückzahlen und ganz, ganz viel Varianten und richtig, richtig raue
00:01:50: Fertigungsbedingungen.
00:01:52: Wenn ich mir das angucke, in so einer klassischen Produktionsbetrieb, wo vieles
00:01:58: automatisiert, aber auch vieles in der Landtechnik noch von Hand geschweißt wird,
00:02:04: da muss man sich eine Frage stellen und das ist, was muss hier eine gute
00:02:09: Schweißvorrichtung eigentlich wirklich können.
00:02:12: Und wir haben das gerade schon gesagt, da sind es wirklich ganz, ganz andere
00:02:18: Anforderungen als beispielsweise im Bereich der Medizintechnik oder als im Bereich des
00:02:24: Automotive oder auch als im Bereich des klassischen Maschinenbaus.
00:02:29: Weil dort zum Beispiel sind es auch oft eher kleinere Bauteile.
00:02:32: Klar gibt es da auch ein paar große Geschichten, aber oftmals ist es schon so,
00:02:36: dass dort alles ein bisschen kleiner ist.
00:02:38: Aber da müssen wir auch aufpassen, wir dürfen nicht pauschalisieren, weil unterm
00:02:43: Strich ist es so, auch in der Landtechnik gibt es kleine Schweißvorrichtungen für
00:02:48: kleine Baugruppen und das ist überall so.
00:02:51: Deswegen müssen wir da ein bisschen aufpassen.
00:02:54: Aber grundsätzlich können wir, glaube ich, zusammenfassen, nicht Millionenstückzahlen,
00:02:59: keine hochautomatisierte Taktfertigung.
00:03:02: Wir haben trotzdem eine Serienfertigung, wir haben natürlich logischerweise eine hohe
00:03:08: Wiederholgenauigkeit, die wir einfach brauchen und wir haben oftmals große
00:03:14: Schweißbaugruppen in relativ vielen unterschiedlichen Varianten.
00:03:19: Und das ist eigentlich der größte Punkt.
00:03:23: Und wenn wir uns jetzt mal vorstellen, dass wir wirklich extrem große Bauteile haben,
00:03:27: wie Rahmen, wie Achskomponenten, wie Ausleger, Anbauteile,
00:03:31: beispielsweise für Mähdrescher oder für Traktoren, da können wir uns vorstellen, die
00:03:38: sind extrem groß und extrem schwer.
00:03:41: Ja, und deswegen haben wir ein hohes Eigengewicht und wir müssen schauen, dass
00:03:45: wir die gehändelt bekommen.
00:03:47: Gerade dort beim Einlegen, beim Herausnehmen aus dem Bereitstellungsbehälter, wo
00:03:53: vielleicht das Ganze schon vorkommissioniert ist,
00:03:57: dass eine Warengruppe sozusagen zur Schweißvorrichtung kommt, der Werker sich
00:04:02: die Einzelteile rausnimmt.
00:04:04: Die müssen auch erstmal bewegt werden, oftmals mit Kranen, mit Handlingssystemen,
00:04:09: wo man vielleicht mit Vakuumtechnik arbeitet.
00:04:13: Oder auch ganz klassisch das gute, dicke, schwere Seil, die dicke Kette einmal
00:04:18: drumgelegt, eingehängt, irgendein Loch rein und dann ab in die Vorrichtung.
00:04:22: Und das sieht man schon, bei hohen Eigengewichten kommt auch viel robustes
00:04:28: Arbeiten dazu und deswegen müssen die Vorrichtungen einfach massiv ausgelegt sein,
00:04:34: damit man entsprechend auch mal mit dem großen 4-Meter-Träger an den Spanner
00:04:39: dranhauen kann und der nicht gleich direkt abbricht oder beschädigt wird.
00:04:43: Also das ist schon sehr, sehr wichtig.
00:04:46: Und da spielt ja auch mit rein in die ganze Problematik, wenn ich große Bauteile habe
00:04:53: und entsprechende Blechstärken habe ich oftmals MAG-Schweißen als Schweißverfahren
00:04:59: und dann habe ich oftmals bei großen Bauteilen lange Schweißnähte und wer viel
00:05:05: schweißt in einer Vorrichtung, bringt automatisch viel Wärme mit herein und hat
00:05:10: dann mit Verzug zu kämpfen.
00:05:12: Das Ideale wäre natürlich, wir schweißen die Baugruppe, warten bis die kalt ist, nehmen
00:05:17: die dann raus.
00:05:18: Das funktioniert in der Regel nirgendwo, weil man will ja weiter produzieren.
00:05:24: Also müssen wir es schon so hinkriegen, dass wir möglichst gut auf den Schweißverzug
00:05:30: irgendwo reagieren können.
00:05:33: Und wir müssen auf jeden Fall auch schauen, dass wir die passenden Toleranzen
00:05:37: berücksichtigen.
00:05:38: Ich habe es in der letzten Folge schon gesagt, als es um das Thema
00:05:42: Variantenfertigung ging.
00:05:43: Bitte wirklich immer darauf schauen, Funktionsmaße beachten.
00:05:47: Ja und alles andere kann man auch mal schauen, ob es da nicht einfach die normale
00:05:53: Standard-ISO-Toleranz ist, die Allgemeintoleranz.
00:05:56: Also man muss wirklich sagen, entscheidend ist, wo muss ich exakt führen und wo muss
00:06:02: ich in der Vorrichtung auch bewusst Luft lassen, damit sich Toleranzen, die sich
00:06:08: aufaddieren, ausgleichen können, damit sich Schweißverzug entfalten kann.
00:06:13: Und das ist sicherlich auch nochmal eine Besonderheit, die es im Bereich der
00:06:18: Landmaschinen und auch im Bereich der Defense-Branche irgendwo gibt.
00:06:22: Weil da einfach viel mit großen Blechstärken, viel mit MAG-Schweißen, viele
00:06:27: lange MAG-Schweißnähte unterwegs sind, große Bauteile.
00:06:30: Genau, das ist da schon ein Stück weit die Besonderheit.
00:06:35: Genau und wir haben es vorhin gesagt, wirklich ein weiterer Kernpunkt in der
00:06:40: Landtechnik und auch im Defense-Bereich, was sie wirklich von anderen Bereichen abhebt,
00:06:45: ist die hohen Varianten.
00:06:47: Es gibt ein Grundprodukt, aber ganz viele, vielleicht unterschiedliche Breiten,
00:06:52: unterschiedliche Ausstattungen.
00:06:54: Für Ausstattung A müssen noch sieben Halter mehr da dran, weil da wird noch was anderes
00:06:58: verbaut.
00:06:58: Für Ausstattung B sind es fünf andere Winkel.
00:07:01: Also da kommt immer das eine zum anderen.
00:07:04: Und die Stückzahlen rechtfertigen halt auch einfach nicht für jede Variante eine
00:07:09: komplette Vorrichtung.
00:07:10: Und deshalb ist es extrem wichtig, Wechselteile, verstellbare Anschläge,
00:07:16: modulare Aufnahmen und eine eindeutige Positionierung.
00:07:21: Dafür zu dem Thema auch gerne nochmal der Verweis auf Folge 106 aus der letzten Woche.
00:07:25: Da mal reinhören, haben wir da ausführlich anhand eines Kundenbeispiels drüber
00:07:29: gesprochen.
00:07:30: Aber Vorsicht, und das ist auch wichtig, eine Vorrichtung für alles, also für alle
00:07:35: Varianten, kann irgendwann auch dazu führen, dass die Vorrichtung an und für sich dann zu
00:07:40: kompliziert wird.
00:07:41: Also das heißt, das Ganze muss man schon auch irgendwo im Auge behalten, dass man es
00:07:47: dort auch nicht übertreibt.
00:07:49: Weil, darüber müssen wir auch aufpassen, der Mitarbeiter, der davor steht, muss vor
00:07:53: lauter Varianz auch noch wissen, was er denn zu tun hat.
00:07:56: Und der muss noch seinen Job machen können.
00:07:58: Deswegen bei aller Begeisterung, auch gerade bei mir, viele Varianten in eine Vorrichtung
00:08:03: zu packen, irgendwann ist nicht mehr wirtschaftlich, irgendwann ist es nicht mehr
00:08:08: praktikabel.
00:08:09: Da muss man aufpassen, dass man die Linie nicht überschreitet.
00:08:13: Und in dem Zuge, das ist halt auch nochmal ein Thema, wenn ich Variantenfertigung
00:08:19: mache, muss ich auch oftmals ein bisschen aufpassen, dass ich diese Varianz dann auch
00:08:25: mit der passenden Robustheit ausstatte.
00:08:28: Ich habe es vorhin schon gesagt, in einer klassischen Schweißerei für Defense, für
00:08:33: Landtechnik und für wirklich schwersten Maschinenbau, Nutzfahrzeugbau, ist es so,
00:08:39: riesengroße Teile, viel Gewichte, es herrscht eine Menge Hitze, eine Menge Staub,
00:08:45: Schweißspritzer.
00:08:46: Da kann man kein empfindliches, in Anführungsstrichen, Laborgerät bauen,
00:08:51: sondern da muss es schon was Robustes sein.
00:08:55: Und die Umbautechnik, die ich einsetze, die muss auch robust sein.
00:09:00: Da darf ich nicht mit einem Inbusschlüssel oder irgendwo versuchen, irgendwas
00:09:04: umzubauen.
00:09:05: Da brauche ich vernünftige Schnellspannmechanismen, große
00:09:09: Rändelschrauben oder große Sterngriffe oder irgendwas,
00:09:12: was der Werker, der immer Handschuhe trägt, auch vernünftig mit Handschuhen, auch wenn
00:09:18: er Schweißerhandschuhe hat,
00:09:20: weil er vielleicht wirklich so heiß ist, dass er die Sachen so nicht sofort anfassen
00:09:24: kann,
00:09:25: da muss der schon auch in der Lage sein, das mal umzustecken oder was umzubauen, ohne
00:09:30: dass das sofort ein Problem wird.
00:09:33: Und deswegen ganz wichtig, das muss gut zugänglich sein.
00:09:37: Wir müssen schauen, dass auch beispielsweise Verschleißteile bei dieser Varianz
00:09:42: entsprechend mit berücksichtigt werden.
00:09:44: Wo kann ich die auch noch austauschen?
00:09:46: Wie kann ich das vielleicht in den Prozess des Umbaus noch mit integrieren?
00:09:50: Das nur nochmal so als Nebengedanke.
00:09:52: Weil grundsätzlich kann man sagen, die Lösungen müssen schnell und einfach umbaubar
00:09:59: sein, aber trotzdem auch robust.
00:10:03: Und mit möglichst wenig Werkzeug.
00:10:06: Genau, und deswegen schauen wir als letztes vielleicht nochmal drauf, wie können wir das
00:10:11: zusammenfassen?
00:10:12: Wie können wir das, was wir jetzt hier in rund sieben, acht Minuten uns erarbeitet
00:10:18: haben,
00:10:19: wie können wir das nochmal auf den Punkt nageln?
00:10:21: Und da würde ich sagen, ist das ganz passend für die Landtechnik und auch für den
00:10:27: Defense-Bereich.
00:10:28: Nicht die technisch komplizierteste Vorrichtung gewinnt,
00:10:32: sondern die Vorrichtung, die jeden Tag funktioniert,
00:10:37: Varianten mitmacht,
00:10:40: aber den Mitarbeiter trotzdem vernünftig arbeiten lässt.
00:10:46: Weil das ist ganz klar,
00:10:49: diese drei Punkte müssen wir so unter einen Hut bringen.
00:10:54: Und dann kann es auch in diesen Bereichen erfolgreich sein.
00:10:59: Automotive optimiert stark den Takt und die Stückzahl.
00:11:03: Landmaschine und Defense stärker die Flexibilität, die Robustheit und die
00:11:09: Varianten.
00:11:11: Und das ist das Schlusswort für heute und wo auch immer du dich mit deinem Unternehmen,
00:11:16: mit deiner Produktion, mit deinem Vorrichtungsbau einsortierst.
00:11:19: Ich bin mir sicher, wir beiden würden auf jeden Fall mindestens ein Thema finden,
00:11:24: worüber wir reden können und was wir für dich optimieren können.
00:11:28: Weil eins ist auch sicher, jede Branche hat seine eigenen Herausforderungen
00:11:33: und wir bei WESCAD kennen fast alle.
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